Die Neugründungen von Waffenfabriken kann man kaum noch zählen: Rheinmetall in Weeze, Covenant-Marschflugkörper in Leipzig, Iron-Dome in Osnabrück – und viele mehr, gerade kleine „Start-ups“ im Bereich der digitalen Kampfführung incl. Drohnen. Man müsste eine Spezialquelle benutzen um alle aufzuzählen.
Doch hier geht es nicht um eine Komplettliste, sondern um das Problem der Platzierung von Waffenfabriken an sich!
Gerade bei Waffenfabriken stellt sich das Problem des Raumes: Angenommen, Sie betreiben eine Firma für Feuerwerkskörper – also diese Knall- und Illuminations-Dinger für Silvester, Feiern, Jubiläen. Daher haben Sie umfangreiche Vorräte an Schwarzpulver. Wo würden Sie diese lagern, wofür würden Sie eine Erlaubnis bekommen und wo würden Sie wohnen wollen?
Zunächst wohl: Nicht direkt über oder neben dem Schwarzpulver-Lager. Sodann würden Sie nicht die Erlaubnis bekommen dieses Lager in einem Wohngebiet zu betreiben – die Fabrik übrigens auch nicht. Und als „wohlhabender“ Besitzer der Firma hätten Sie Ihr „Anwesen“ sicher nicht da, wo es laut und dreckig ist. Auch deswegen würden sie weit weg wohnen, weil Sie wohl eine Vorstellung davon haben, wie groß der Zerstörungsradius wäre, würde ihr Lager oder die Fabrik in die Luft fliegen.
Nun, in der Großen Politik sind all diese Selbstverständlichkeiten aufgehoben.
Deutschland hat eine Bevölkerungsdichte von 233 Menschen pro Quadratkilometer. Unter den großen Staaten EU-Europas ist es damit das am dichtesten bevölkerte Land! Und dieses Land wird von der Bundespolitik vollgestopft mit Waffenfabriken. Es herrscht sogar Freude über diese Neuansiedlungen: Sie werden regelmäßig durch die Teilnahme ranghoher Politiker ge-würdigt und diese Nachricht wird dann hinausposaunt – auch von den Öffentlich-Rechtlichen.
Dabei müsste klar sein, dass der „Feind“ diese Objekte natürlich als erstes in seine Zielplanung aufnehmen muss, will er eigene Verluste und Schäden durch die dort produzierten/gelagerten Waffen vermeiden.
In den großen Ländern EU-Europas gibt es Landstriche, die im Vergleich zu Deutschland an menschenleere Wüsten erinnern. Neuerdings gibt es ja sogar das Abkommen der EU mit Kanada, einem Land, in dem man tagelang fahren kann, ohne Menschen zu sehen. Dort wurde und wird viel mit militärischem Großgerät trainiert – was man eben in Deutschland nur mit sehr viel Belastungen tun könnte und bisher seit 1989 nach Möglichkeit vermied.
Wenn man schon die „Feindschaft“ mit Russland für alternativlos hält, so sollte man all diese Fabriken aus den genannten Gründen nicht in das am dichtesten besiedelte Flächen-Land Europas bauen. Es gibt – wie gesagt – genug menschenleere Flächen dafür.
Wer aber dennoch diese Fabriken in Deutschland baut oder duldet, beweist damit eine der folgenden Alternativen:
Entweder ist ein solcher Politiker sicher, dass ein „Sieg“ über Russland sicher ist und dass die Schäden hier im Land durch russische Angriffe auf die genannten Waffenfabriken verhältnismäßig gering ausfallen werden. Solch ein Politiker hält Russland für schwach. Ich halte das für reines Wunschdenken! Dieses entsteht und wird natürlich befeuert durch die Lobbyisten der Waffenindustrie – so etwa den israelischen Unternehmer, der die „Iron-Dome“-Fabrik in Osnabrück betreiben will. Der wird natürlich behaupten, dass man die meisten russischen Raketen, Marschflugkörper und Drohnen abschießen kann.
Oder dieser Politiker ist ein Fanatiker, der Russland für den „natürlichen“ Feind Deutschlands und des „Westens“ hält. So ein Fanatiker ist dermaßen überzeugt von den eigenen Werten, etwa von der „Freiheit“, dass er die Vernichtung des eigenen Landes riskiert, wenn nur der „Feind“ des „Westens“ endgültig besiegt wird. Also: Sieg der Nato auf Kosten Deutschlands. Solche Fanatiker meinen, dass Deutschland diesmal (also nicht wie 1914 und 1939) bei den „Guten“ ist. Es ist in deren Augen Vorkämpfer in einem mächtigen Bündnis auf dem Kreuzzug für die „Freiheit“. Gerade Politiker aus dem grünen Lager dürften so denken – oder sollte man besser sagen: sie empfinden so.
Es dürfte klar sein, dass der Verfasser weder der ersten noch der zweiten Meinung ist. Er ist vielmehr der Meinung, dass zuerst mit Russland nach den Regeln der (traditionellen) Interessen- Diplomatie verhandelt werden muss – also vor dem Bau neuer Waffenfabriken und ohne die westliche-Werte-Überheblichkeit. Falls diese Verhandlungen wider Erwarten erfolglos sein sollten, so möge man – frei nach der bewährten Harmel-Doktrin – immer jeweils eine neue Fabrik in menschenleeres Gebiet bauen und dies koppeln mit erneuten Verhandlungsangeboten an Russland.